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F.Sagan

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25.09.04 UM 20.00 / ARTE KULTUR

 

Tod von Françoise Sagan

Françoise Sagan ist am 24. September im Alter von 69 Jahren in der Normandie verstorben. Sagan war genussüchtig. Sie liebte schnelle Autos und Drogen, aber sie war vor allem eine bedeutende Schriftstellerin.


Françoise Sagan: Man hat so viel Unsinn über mich erzählt, ich wurde so sehr als Objekt betrachtet, als Starlet des Literaturbetriebs, der Erfolg war manchmal so maßlos übertrieben und dann wieder eher komisch, dass es mir wahnsinnig schwer fiel, mich selbst ernst zu nehmen.

Das fiele ihr nach den Ehrungen der letzten Tage gewiss nicht leichter. Vor allem von Exzess und Leidenschaft war die Rede. Daraus lassen sich trefflich Legenden und Anekdoten stricken. Aber sie allein werden der Persönlichkeit von Françoise Sagan sicher nicht gerecht.
Dass ihr Leben der Literatur gehören sollte, hat sie früh entschieden. Gide, Proust und Rimbaud sind dafür ausschlaggebend. Selbst ihr Pseudonym findet sie in einem Roman. Die Prinzessin von Sagan stammt aus Marcel Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit". Und ihren ersten Roman schreibt sie in zwei Monaten. "Bonjour Tristesse" heißt er und erscheint 1954. Ganz Frankreich ist empört. Morallosigkeit wirft man der 18-Jährigen vor, weil sie von einer jungen Frau erzählt, die nicht nur den Alkohol liebt, sondern auch reiche Männer. Das Buch wird ein Welterfolg. In 22 Sprachen übersetzt, findet es mehr als eine Million Käufer. Doch das ist für die Autorin nicht das Entscheidende.

Françoise Sagan: Auf die Veröffentlichung könnte ich verzichten, das wäre durchaus möglich, aber ich könnte nicht aufhören, zu schreiben, ich glaube, da würde ich nur noch Trübsal blasen.

Trübsal und Einsamkeit sind Themen, über die Françoise Sagan immer wieder schreibt. Mit großem Erfolg - und die literarische Qualität lässt sich nicht leugnen. "Lieben Sie Brahms", "Ein Schloss in Schweden" - insgesamt an die fünfzig Bücher und Theaterstücke. Sie haben eine Leichtigkeit und Eleganz, in der sich eine ganze Generation wiedererkennt. Zwischen Existenzialismus und Jet Set - ein Leben im Temporausch. Freiheit war ihr das Höchste.

Françoise Sagan: Man muss sich anschnallen - und darf nicht einmal den eigenen Tod wählen. Man schützt die Leute vor allem: vor Tabak, vor Zigaretten, vor dem Auto - vor allem, nur nicht vor Langeweile. Und das ist nicht richtig!

In aller Freiheit schaut sie sich auch beim Film um. Otto Preminger bringt "Bonjour Tristesse" auf die Leinwand, für Chabrol schreibt sie die Dialoge zu "Landru". Für mehr Freiheit engagierte sie sich in der Politik. So setzte sie sich während des Algerienkrieges für Wehrdienstverweigerer ein. 1971 streitet Sagan für das Recht auf Abtreibung. Sie stand den Sozialisten nahe und war eng befreundet mit François Mitterrand.

Drogenkonsum und die Verwicklung in einen politischen Skandal überschatteteten in den letzten Jahren ihr literarisches Schaffen. Sie lebte zurückgezogen in ihrem Haus in der Normandie. An einem Herbstabend erlag sie dort einer Lungenembolie.

Françoise Sagan: Ich fürchte mich nicht vor dem Sterben, ich bin nicht feige, ich bin kein Weichling - aber wer kennt schon die Panik und die Angst, wenn es so weit ist... Ich sterbe vielleicht nicht für ein Anliegen, sondern eher im Widerstand gegen etwas. Ich würde sterben, um etwas zu verwirklichen oder zu ermöglichen. Oder in jemandes Armen, das wäre ideal...


Reportage : Lionel Jullien, Hervé Thiry

 

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